Digitalisierung beim Zahnarzt

Oct 2022

Ein Leben ohne die Digitalisierung ist gar nicht mehr denkbar - Und auch in der Medizin wird in vielen Bereichen vermehrt auf digitale Unterst√ľtzung gesetzt. Wie sieht es aber in der Zahnmedizin aus in puncto digitaler Entwicklung? Wie k√∂nnen die neuesten Innovationen die Behandlung f√ľr die Patient*innen in den n√§chsten Jahren angenehmer gestalten? Mit eben diesen Fragen setze ich mich in dem folgenden Artikel auseinander und gebe euch einen kleinen Einblick in die digitale Welt der Zahnmedizin.

Die gute Nachricht vor allem f√ľr Angstpatientinnen oder auch jene, die nicht allzu gerne den Weg zumr Zahn√§rztin antreten: **Die Digitalisierung von Diagnostik, Befundung und Therapie dient zuallererst dem Wohl der Patientinnen**. So sagt auch J√∂rg Thiemer, CEO von KonfiDents ‚Äď einem bundesweiten Zusammenschluss von Zahn√§rztinnen und anderen Expertinnen: ‚ÄúDie Behandlung f√ľr den Patienten [soll] durch neue Technologien schneller, unkomplizierter und ertr√§glicher werden.‚ÄĚ

Um direkt mit einem Beispiel zu starten: R√∂ntgenuntersuchungen k√∂nnen dank digitaler R√∂ntgentechnik mit erheblich geringerer Dosisleistung durchgef√ľhrt werden, zudem sind die Bilder sofort verf√ľgbar und die Befundung kann schneller erfolgen. Auch bei den oft unangenehmen und zeitaufw√§ndigen Kiefer- und Zahnabdr√ľcken f√ľr Zahnimplantate kann digitale Abhilfe geschaffen werden: Mit intraoraler Scan-Technik kann auf digitalem Wege ein Abdruck gemacht werden und die Daten auf direktem Wege ins Labor gesendet werden. Den Patient*innen erspart das somit Zeit und eventuelles Unwohlsein w√§hrend des Gips-Abdrucks. Ein weiterer Vorteil: Wenn sp√§ter etwas am Gebiss besch√§digt sein sollte, kann es mithilfe des 3D-Scans unkompliziert wiederhergestellt werden. So kann die Zahnmedizin und die Zahntechnik digital miteinander verkn√ľpft werden.

Neben den Fortschritten in der Behandlung und Diagnostik geh√∂ren nat√ľrlich auch Angebote in der gesamten Patient*innen-Betreuung zur digitalen Weiterentwicklung. So finden sich immer mehr Zahnarztpraxen auf Social Media wieder und bieten ihren Patient*innen dort hilfreiche Tipps und Infos. Auch die Terminvereinbarung kann in vielen Praxen mittlerweile online stattfinden, einige bieten Videosprechstunden an und die elektronische Patientenakte (ePA) bietet gesetzlich Versicherten seit 2021 die M√∂glichkeit des unkomplizierten, transparenten Zugriff auf ihre gesundheitlichen Daten. Die Corona-Pandemie hat in diesen Punkten sicherlich ihren Teil beigetragen, dass die Angebote sowie die Akzeptanz und Nutzung solcher digitalen Dienstleistungen deutlich gestiegen ist.

Nicht nur f√ľr den routinem√§√üigen Zahn√§rztin-Besuch, sondern **auch bei zahnmedizinischen Operationen h√§lt die Digitalisierung einige Vorteile f√ľr Personal und Patientinnen bereit**: Operationen werden digital viel vorhersehbarer planbar sein. Um ein Beispiel aus diesem Bereich zu nennen: Informationen √ľber die genetischen Eigenschaften der Patient*innen sollen zuk√ľnftig gesammelt werden, um abzusch√§tzen zu k√∂nnen, ob eine Behandlung √ľberhaupt Erfolg haben kann. Zudem muss organisches Material in Zukunft nicht mehr aus anderen K√∂rperteilen entnommen werden, sondern kann k√ľnstlich hergestellt werden. In ersten Versuchen konnten bereits dem Zahn √§hnliche Strukturen nachgez√ľchtet werden.

Fest steht: Die digitalen Innovationen werden in Zukunft vermehrt im zahn√§rztlichen Praxisalltag zu finden sein - mit steigender Tendenz. Denn bis 2023 werden bereits 57 Prozent der heute aktiven Zahn√§rzt*innen in Pension gehen, von denen sich einige gegen die Digitalisierung wehren und beispielsweise ein Gro√üteil (rund 40 Prozent) ihre Bestellungen noch per Fax durchf√ľhren, wie J√∂rg Thiemer im Interview erl√§utert. Somit wird ein gro√üer Generationentausch stattfinden. Es ist davon auszugehen, dass die vielen neuen, jungen Zahn√§rzt*innen, die bereits seit Ausbildungsbeginn mit den digitalen M√∂glichkeiten vertraut sind, diese entsprechend in ihre Praxisausstattung integrieren werden. Wie Dr. Uwe Axel Richter der PLANiMED GmbH in einem Interview mit dem DentalMagazin sagte: ‚ÄúEntscheidend ist: Was n√ľtzt der Praxis, was macht sie zukunftssicher?‚ÄĚ, weiter erw√§hnt er, dass dies ‚Äúohne eine sinnvolle, das hei√üt die Patient*innen in den Mittelpunkt stellende Digitalisierung nicht mehr erreichbar [ist]‚ÄĚ, was die Wichtigkeit der Digitalisierung inklusive Einbeziehung der Patient*innen erneut betont.

Wie wird die Praxis der Zukunft also aussehen? Laut Thiemer: ‚ÄúEine Praxis, in der ich nichts Zahnarzt-typisches mehr rieche oder sehe und in der Behandlungen schmerzlos und ohne gro√üen Aufwand Erfolg haben. Das wird nur funktionieren, wenn neue Technologien und digitaler Fortschritt auch tats√§chlich in den Praxen ankommen.‚ÄĚ Dem schlie√üe ich mich an und bin gespannt auf die zuk√ľnftigen Entwicklungen, denn das Digitalisierungspotenzial ist noch lange nicht ausgesch√∂pft. Wichtig ist in meinen Augen, die richtigen, praxisspezifischen digitalen L√∂sungen sinnvoll in den Praxisalltag zu integrieren, um einen Mehrwert f√ľr die Praxis und vor allem die Patient*innen zu erzeugen. Zudem wird der √úbergang zu Anwendungen mit k√ľnstlicher Intelligenz sicherlich flie√üend sein.

Ich blicke der Digitalisierung sehr offen und gespannt entgegen und informiere mich stets auf Messen, Symposien und im Gespr√§ch mit Kolleg*innen √ľber die neuesten Innovationen.

Wie steht ihr zu dem Thema? Was w√ľrdet ihr euch im Zuge der Digitalisierung euresr Zahn√§rztin w√ľnschen? Lasst mir gerne eure Meinung in den Kommentaren zukommen.

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